Plouha

Die an der Bucht von St. Brieuc gelegene Stadt Plouha wird nur in wenigen Reiseführern erwähnt. Dabei gibt es hier einiges zu entdecken:

Die Klippen von Plouha

Felsen in PlouhaDie bis zu 104 Meter hohen Felsen an der nur 3 km von Plouha entferneten Küste selbst sind schon imposant, jedoch bietet sich von dort oben ein beindruckender Ausblick auf das Meer in der Bucht von St. Brieuc. Vom Ortskern Plouha aus führen mehrere Wege an die felsige Küste. Am Besten folgt man den Hinweisschildern Richtung „Les Falaises / Plages“. Es gibt einige Parkplätze von denen aus man Wanderwege entlang der Küsten erreichen kann. Diese zum Großteil gut ausgebauten Schotterwege sind Teil des Zöllnerpfades (Küstenwanderweg GR34). Aufgrund der Teilweise schon enormen Steigungen ist aber festes Schuhwerk unbedingt zu empfehlen. Hafen Gwin ZegalEiner der erwähnten Parkplätze liegt z.B. direkt an der Pointe de Plouha, der höchsten Klippe. Ein anderer liegt oberhalb des Strandes an der alten Anlegestelle Gwin Zegal. Den Strand erreicht man über eine schmale in den Fels gehauene Treppe. Unten wird man mit einem Blick auf eine, durch die kleine vorgelagerte Insel, geschützte Bucht mit Sandstrand belohnt. Die hier aus dem Wasser ragenden bis zu 10 m hohen Holzpfähle sind eine traditionelle Art Anlegestellen zu bauen. Gwin Zegal scheint eine der letzten dieser Art zu sein. Noch heute sieht man hier zahlreiche Boote festgemacht.

Tunnel zum Plage BonaparteFolgt man der Küste weiter Richtung Norden, gelangt man an einen bei Familien sehr beliebten Strand, da er sehr flach ins Wasser reicht. Von diesem, heute „Plage Bonaparte“ genannten Strandabschnitt, wurden während des zweiten Weltkrieges 135 englische uind kanadische Piloten durch Mitglieder der Résistance an den Nazis vorbei nach England geschmuggelt. Von diesen Ereignissen zeugen heute noch Erinnerungstafeln die im Tunnel angebracht sind der zum Plage Bonaparte führt.

Die Kapelle von Kermaria an Iskuit

Kapelle in KermariaAn der Straße von Plouha nach Plehedel findet man den zur Gemeinde Plouha gehörenden Ort Kermaria. Die Besonderheit ist die aus dem 13. Jahrhundert stammende Kapelle Kermaria an Iskuit (bretonisch für: Maria, die aus der Not hilft oder die Gesundheit gibt.). Sie wurde wahrscheinlich vom Adligen Henry d’Avaugour gebaut, der 1240 von Kreuzzügen nach Palästina zurück kam und sich bei der Jungfrau Maria für ihren Beistand bedanken wollte. Im 15. Jahrhundert wurde die Kapelle durch einen Anbau maßgeblich erweitert. Im 18. Jahrhundert kam ein neuer Chor dazu.

Totentanzfresko Kermaria an IskuitIm 19. Jahrhundert wollte der damalige Pfarrer die Kapelle abreißen um aus den Steinen eine neue, größere Pfarrkirche zu bauen. Obwohl der Abriß bereits genehmigt war, wurde er durch die Bevölkerung mit Sensen, Mistgabeln und anderen „Waffen“ verhindert. Als man dann 1856 unter dem Putz alte Fresken entdeckte, wurde die Kapelle endgültig vor dem Abbruch verschont. Auf den dann freigelegten Fresken wir ein Totentanz (Danse Makabre) dargestellt: Der Tod führt alle Menschen, egal welchen Standes zu seinem makabren Tanz. Zu sehen sind z.B. folgende Stände bzw. Menschen: Kardinal, König, Patriarch, Feldherr, Erzbischof, Ritter, Bischof, Knappe, Abt, Landvogt, Wahrsager, Bürger, Kartäusermönch, Offizier, Arzt, Frau, Wucherer,  Arme, Verliebter, Dorfmusikant, Landwirt, und ein Kind. Die Aussage der Fresken: Am Ende des Lebens sind alle Gleich.

In in den Sommermonaten von Juli bis August ist die Kirche von 9 bis 20 Uhr geöffnet, in den übrigen Monaten gibt es eine Mittagspause von 12 bis 14 Uhr. Der Eintritt ist kostenlos. Man erhält für den Rundgang ein Blatt mit Informationen auch in deutscher Sprache.
Man kann ein sehr interessantes Informationsblättschen auf Französisch, Englisch oder Deutsch erwerben, von dem auch viele Informationen in diesem Beitrag stammen.

Hinweis für Besucher in 2013: Es sind Restaurationsarbeiten geplant.

Der Tempel von Lanleff

Temple de LanleffGanz in der Nähe von Plouha und Kermaria liegt der Ort Lanleff in dessen Ortskern, etwas versteckt, ein runder Sakralbau zu finden ist. Es handelt sich dabei um eine romanische Kirche mit einem kreisrunden Grundriß (bret.: Tour Kozh Lanlev). Da man lange keine zuverlässige Aussage zur Herkunft des Baus treffen konnte rankten sich darum viele phantasievolle Geschichten. Durch seine Form wurde er von Archäologen lange für einen heidnischen Tempel zur Anbetung von Götzen oder der Sonne gehalten. Daher auch im Volksmund die französische Bezeichnung Temple de Lanleff, die auch auf den Hinweischildern zu finden ist.

Tempel von LanleffEine im 19. Jahrhundert entdeckte Charta aus dem Jahr 1148 berichtet jedoch von einer Schenkung der Kirche „Sainte-Marie de Lanlem (so die früheres Bezeichnung des Flusses Le Leff)“ an die Benediktinermönche und weist sie als romanische, der Jungfrau Maria geweihte Kirche aus. Sie wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrmals umgebaut. Durch Restaurierungsarbeiten wurde das ursprüngliche Aussehen weitgehend wieder hergestellt. Einige Wissenschaftler gehen davon aus, dass sie im 11. oder 12. Jahrhundert nach dem Muster der Rotunde des heiligen Grabes in Jerusalem gebaut wurde. Zeitweise wurde der „Tempel“ auch den Templern zugeschrieben. Ihre Anwesenheit in der Gegend konnte aber bisher nicht belegt werden.

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